Romanwerkstatt

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Schon ein Ding! Dass mich dieser Großmeister des Versmaßes auch über den Abstand von zweieinhalb Jahrhunderten hinweg derart in seinen Bann geschlagen hat! Für Jahre und Jahrzehnte. Keine Ahnung, was das ist, das mich ihm die Treue halten lässt. Kann nicht nur seine Dichtung sein. Obwohl großenteils traumschön, musste ich, frank und frei zugegeben, doch bei etlichen Versen ums Verstehen, um Anker und Haltegriff kämpfen. Keineswegs immer das reine Vergnügen. Widerspenstige Forderung und Aufforderung, seine Poesie.

"O Hoffnung! holde! gütiggeschäftige!
Die du das Haus der Trauernden nicht verschmähst,
Und gerne dienend, Edle! zwischen
Sterblichen waltest und Himmelsmächten,

Wo bist du? wenig lebt' ich; doch atmet kalt
Mein Abend schon. Und stille, den Schatten gleich,
Bin ich schon hier; und schon gesanglos
Schlummert das schaudernde Herz im Busen."

Und eben diese Emulsion aus Herausforderungen erwischt mich auch jedes Mal, wenn ich versuche, mir einen Reim auf sein Leben zu machen. Auf sein unzulängliches, unzugängliches.

Ist es das, genau das, was mich in der Spur hält, was mich dranbleiben lässt? Seit Jahren und Jahrzehnten.

von Ulrich Land (Kommentare: 0)

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